Ein Inseldasein besonderer Art

Weite, Wellen, Watt

InselNeuwerk-Blick ueber die InselIn Sichtweite liegt die Küstenstadt Cuxhaven und doch gehört das kleine Eiland, auf dem kein Autoverkehr erlaubt ist, zu Hamburg – mitten im Wattenmeer, nahezu unentdeckt, in seiner bescheidenen Schönheit dennoch ein Fall für „Liebe auf den ersten Blick“!

Schlick, Schönheit, Stille

Wie oft bin ich diesen Weg schon durch das Watt entlang der Pricken gegangen, gelaufen, getrödelt, gewatet, gestapft, geschlurft, geschlendert – eines wohl wissend: „Die Flut ist pünktlich!“, wie schon der deutsche Schriftsteller Siegfried Lenz in seiner Erzählung deutlich gemacht hat.

Wege zur Insel

InselNeuwerk-Weg durch das Watt-PrickenZwar gibt es auf der ca. 10 km langen Strecke zwischen dem Festland und der Insel drei Rettungsbaken, in denen diejenigen Wattwanderer „Unterschlupf“ finden, die ohne Kenntnis der Tidenzeiten ins Watt gelaufen sind – aber eine Rettung bei Flut durch ein Motorboot ist nicht gerade preiswert.

Wer die wohltuende Massage für die Fußmuskulatur und das einmalige Erlebnis einer Barfußwanderung im Schlick dennoch meiden will, lässt sich bequem mit der Pferdekutsche innerhalb einer guten Stunde vom Festland bis zur Insel chauffieren. Diejenigen, deren Überfahrtswunsch in die Zeit des Hochwassers fällt, kaufen in Cuxhaven am berühmten Hafen Alte Liebe ein Ticket für die MS Flipper, die am kleinen Hafen an der Nordseite der Insel Neuwerk anlegt.

Übernachtungsmöglichkeiten

InselNeuwerk-Rettungsbake im WattSchon von weitem imponiert der eckige, rote, über 100 Jahre alte Leuchtturm der Insel, in dem man neben einer Gaststätte auch einige Hotelzimmer findet. Gleich daneben befindet sich der kleine Einkaufsladen mit einem ausgewählten Sortiment.

Übernachten kann man auf Neuwerk auf verschiedene Art und Weise: im Stroh, in Bettenlagern, in Ferienwohnungen oder Hotelzimmern in den wenigen Unterkünften, die die Insel aufweist. Campinggrund und zwei Landschulhäuser bieten Raum für Schulklassen, Familienferien und andere Gruppen.

Attraktionen der Insel

InselNeuwerk-Wattfahrt mit der KutscheVor einigen Jahren wurde das wunderbare Nationalparkhaus gebaut, das eine interaktive Ausstellung über das Wattenmeer bietet und für Kinder sehr interessant ist. Filmabende informieren über die Vogel- und Inselwelt und man kann auch die Tatortfilme „Tod auf Neuwerk“ und „Tod vor Scharhörn“ mit Manfred Krug und Charles Brauer immer wieder anschauen.

Ein Naturlehrpfad informiert die Besucher auf ihrem einstündigen Marsch rund um die Insel auf der Deichkorne über Besonderheiten der Insel. Anhand von Drehtafeln darf geraten, gestaunt und gesucht werden – ein informatives Erlebnis für Groß und Klein!

Jeden, der denkt, dass er diese kleine Insel schon nach drei Tagen vollkommen entdeckt hat, muss ich enttäuschen. Versteckt liegt der Friedhof der Namenlosen, der zu stiller Nachdenklichkeit über die unbekannten Toten, die einst ans Ufer gespült wurden, veranlasst.

Das „blaue Haus“ der Malerin liegt idyllisch hinter einem winzigen Wäldchen und lädt zum Bestaunen der Ausstellung und zu einem freundlichen Gespräch mit der Künstlerin über die Insel und ihre Bewohner ein.

Vor einigen Jahren eröffnete die Neuwerkstatt, ein Souvenirladen mit exquisiter Auswahl, nahe des Schiffsanlegers seine Türen.

InselNeuwerk-LeuchtturmIst man an der Inselschule vorbeigeschlendert, weist nicht weit davon entfernt ein Zaunschild auf das Bernsteinzimmer hin, in dem man gegen eine geringe Gebühr einen sprachlosen Blick auf die unglaublich großen und farbigen Bernsteinen werfen kann, die über Jahrzehnte auf der Insel gesammelt wurden.

Wer eine Wattwanderung auf die unbewohnte Vogelschutzinsel Scharhörn machen möchte, meldet sich telefonisch einen Tag vorher beim Vogelwart auf der Insel an, der dort unter kargen Bedingungen in einer Hütte in der Sommerzeit lebt und viele interessante Informationen zu berichten weiß.

Schlick, Schönheit, Stille

InselNeuwerk-Sonnenuntergang hinter der NordbakeDas absolute Highlight für mich ist jedes Jahr die Bernsteinsuche auf dem Großen Vogelsand. Ein einstündiger Hinweg über die endlos scheinende flache Sanderhebung bis zur Elbfahrrinne laufe ich zügig und voller Aufregung, ob mir das Glück beschieden ist, kandisgroße Bernsteine zu finden. In völliger Einsamkeit schlendere ich allein, immer den angestrengten Blick auf den Boden, auf die Rippelmarken und die angeschwemmten Hölzchen und Algen gerichtet. Wenn die Sonne es gut meint, schimmern und leuchten die honigfarbenen Fundstücke im sandigen Boden. Linsengroß sind sie und manche Schätze, die ich fand, hatten die Größe einer Streichholzschachtel.

Abendstimmung

Die Nord- und Ostbake, früher ein notwendiges Sicherheitszeichen für den Schiffverkehr, sind heute hölzerne Relikte einer vergangenen Zeit und harmonisches Detail.

Und wenn ein Tag auf der Insel Neuwerk zu Ende geht, wenn der glühende Sonnenball alles in charismatische Idylle taucht, dann wird die Nordbake einmal mehr zu einem mächtigen zeitlosen Wächter.

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